Hooksiel/Wangerland (18. 5. 2026) – Freie und gleiche Wahlen sind die Basis einer Demokratie. Ebenso wichtig: Der formal korrekte Ablauf des Urnengangs. Alle potenziellen Wählerinnen und Wähler müssen erfasst, die Kandidaten nominiert und am Ende die Stimmen ordnungsgemäß gezählt werden. Gerade bei Kommunalwahlen in Niedersachsen ist das alles andere als trivial. Jeder Wähler hat dabei drei Stimmen, die er „kumulieren“ und „panaschieren“ kann.

Was das bedeutet, erläutert Bianca Siuts. Die Leiterin der Abteilung 1 („Zentrale Dienste“) im Rathaus ist vom Rat der Gemeinde Wangerland zur Gemeindewahlleiterin gewählt worden. Damit liegen Vorbereitung, Planung, Organisation und Durchführung der Kommunalwahl am 13. September in ihrer Verantwortung. „Üblicherweise ist das die Aufgabe des Hauptverwaltungsbeamten“, erläutert Bianca Siuts. „Aber unser Bürgermeister steht ja diesmal selbst zur Wahl. Da kann er natürlich nicht die Wahlleitung übernehmen.“
Viele gesetzliche Vorgaben
Bianca Siuts hat schon etliche Wahlen mit organisiert. Sie zählt zu den Urgesteinen in der Gemeindeverwaltung. Hier hat sie 1987 ihre Ausbildung begonnen und abgeschlossen, hat sich fortgebildet und war lange fürs Personalwesen in der Gemeindeverwaltung zuständig. Im vergangenen Jahr wurde sie zur Abteilungsleiterin gewählt.
Die allermeisten Arbeiten bei der Vorbereitung der Kommunalwahl erledige „ihr Team“, zu dem auch ihr Stellvertreter Thomas Hayen zählt, so Siuts. Ihre wesentliche Aufgabe sei es, darauf zu achten, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden. Und davon gibt es jede Menge.
8261 Wahlberechtigte
Am 13. September bestimmen die Wählerinnen und Wähler über die Zusammensetzung des künftigen Gemeinderates und wählen den neuen Bürgermeister. Darüber hinaus werden auch ein neuer Landrat und die friesländischen Kreistagsabgeordneten gewählt. Stand heute gibt es im Gemeindegebiet 8261 Wahlberechtigte.
Wer darf eigentlich den Gemeinderat wählen? „Wahlberichtigt sind alle deutschen Bürgerinnen und Bürger sowie Staatsangehörige eines EU-Staates, wenn sie am Wahltag 16 Jahre alt sind und zuvor mindestens drei Monate lang ihren Wohnsitz im Wangerland hatten“, erläutert Bianca Siuts. Hört sich einfach an, will aber im Detail geprüft sein. Ein Problem: Ins Wählerverzeichnis der Gemeinde werden Neubürger nur dann eingetragen, wenn sie hier auch offiziell ihren Wohnsitz angemeldet haben.
Kandidaten-Nominierungen
Derzeit laufen bei den Parteien und Wählergruppen die Kandidaten-Nominierungen an. Wahlvorschläge für das Amt des Bürgermeisters müssen bis zum 6. Juli, die für die Wahl zum Gemeinderat bis zum 20. Juli bei der Wahlleitung vorliegen. Warum müssen Bürgermeister-Kandidaten sich früher melden? „Bürgermeister sind Wahlbeamte. Bei den Bewerbern wird geprüft, ob sie für die freiheitlich-demokratische Grundordnung eintreten“, erläutert Bianca Siuts. Ihre Bitte an alle Parteien und Einzelkandidaten: „Bitte reichen Sie ihre Wahlvorschläge möglichst früh ein. Das erleichtert die Arbeit im Rathaus enorm.“
Jeder Wahlvorschlag fürs Bürgermeisteramt, der nicht von im Rat oder im Landtag vertretenen Parteien oder Gruppen kommt, muss zudem von 120 Wahlberechtigten aus dem Wangerland persönlich und handschriftlich unterschrieben sein. Und natürlich müssen diese Angaben kontrolliert werden. Dabei sei es hilfreich, so eine weitere Bitte der Wahlleitung, wenn die Formulare vollständig ausgefüllt und die Namen lesbar sind.
24 Sitze im Gemeinderat
Parteien und Wählergruppen dürfen Kandidatenlisten mit bis zu 29 Bewerberinnen und Bewerbern einreichen. Aber auch Einzelbewerber können sich um einen der 24 Sitze im Gemeinderat bemühen. Dafür benötigen sie ebenfalls Unterstützer-Unterschriften, allerdings nur von 20 wahlberechtigten Wangerländern. Wählbar sind übrigens für den Rat alle über 18-Jährigen, die mindestens seit sechs Monaten einen Wohnsitz im Wangerland haben. Bürgermeister-Kandidaten hingegen können auch von außerhalb kommen.
Eine Herausforderung ist auch der Wahltag selbst. Auch er will gut vorbereitet sein. Froh ist Bianca Siuts, dass der Rat vor geraumer Zeit die Zahl der Wahlbezirke verringert hat. Das erleichtere die Besetzung der jeweils Wahlvorstände mit jeweils acht Wahlhelfern. Hooksiel ist einer der Wahlbezirke. Die weiteren: Hohenkirchen, Horumersiel-Altebrücke-Wiarden, Minsen-Friederikensiel, Neugarmssiel, Tettens-Oldorf-Wiefels und in Waddewarden. Hinzu kommen zwei Briefwahlbezirke.
Briefwahl liegt im Trend
Die Vorbereitung der Briefwahl ist ebenfalls anspruchsvoll. Bei der Gemeinde geht man davon aus, dass der Anteil der Briefwähler weiter steigen wird. Gaben bei der Kommunalwahl 2021 noch 21 Prozent der Wähler ihre Stimmen per Brief ab, könnten es im diesem Herbst bis zu 30 Prozent werden. Entsprechende Mengen an Papier und Umschlägen müssen geordert und Druckkapazitäten gesichert werden.
Die Stimmzettel für die verschiedenen Wahlen werden übrigens unterschiedliche Farben haben. Der für die Bürgermeisterwahl ist weiß, der für den Gemeinderat hellgrüne und der für die Stichwahl hellblau. Zu einer Stichwahl am 27. September würde es aber nur dann kommen, wenn keiner der (bislang drei) Bewerber um das Bürgermeisteramt im ersten Wahlgang mehr als die Hälfe der gültigen Stimmen erhalten sollte. Die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen müssten sich dann erneut den Wählern stellen.
Konzentration erforderlich
Das Auszählen der Stimmen bei der Bürgermeisterwahl ist vergleichsweise einfach. Jeder Wähler hat hier nur eine Stimme. Anders als bei Gemeinderats- und Kreistagswahl. Hier können die Wählerinnen und Wähler auf den Stimmzetteln jeweils drei Stimmen verteilen – entweder indem sie alle ihre drei Stimmen der Kandidatenliste einer Partei oder einem einzelnen Kandidaten zuordnen (kumulieren) oder indem sie ihre drei Stimmen auf unterschiedliche Listen oder Kandidaten verteilen (panaschieren).
„Gerade das Panaschieren erfordert beim Auszählen der Stimmen höchste Konzentration“, sagt Bianca Siuts. Auch deshalb weiß die Gemeindewahlleiterin schon heute, dass sie am Sonntag, den 13. September, einen langen Arbeitstag haben wird. „Ich gehen davon aus, dass es bis 23 Uhr, vielleicht auch bis 24 Uhr, dauern wird, bis die letzten Stimmen gezählt sind. Hier geht eben Genauigkeit vor Schnelligkeit.“











