Hooksiel (21. 10. 2026) – Hooksiel bekommt einen neue Pfarrerin. Im Wangerland ist Vera Rosin schon seit dem 1. September angekommen. Voraussichtlich im November wird sie dann aus einer Ferienwohnung in Schillig in ein Häuschen in der Friesenstraße umzuziehen. Endlich, so sagte die 60-Jährige bei ihrer Vorstellung vor dem Männerkreis der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde im Walter-Spitta-Haus, werde dann das Leben aus Koffernein Ende haben.

Vera Rosin ist Nachfolgerin von Stefan Grünefeld, der Hooksiel in Richtung Oldenburg verlassen hat. Auf Anraten ihres Sohnes habe sie sich auf die freie Stelle an der niedersächsischen Küste beworben und dafür ihre Pastoren-Stellung im westfälischen Herten verlassen. Damit geht ein Lebenswunsch etwas frühe als geplant in Erfüllung.
Der Hektik im Ruhrgebiet entflohen
Wie die gebürtige Dortmunderin schilderte, hätten sie und ihr Ehemann stets vorgehabt, mit dem Eintritt in den Ruhestand in ihren Urlaubsort Wangerland umzuziehen, um sich der Hektik und der Feinstaub-Belastung im Ruhrgebiet zu entziehen. Ihr Mann sei inzwischen Rentner. Die freie Stelle im Wangerland habe dem Paar die Chance eröffnet, die geplanten Umzug um fünf Jahre vorzuziehen.
Ein Glücksfall für beide Seiten, wie Kirchenältester Heinz Martin unterstrich. Auf die erste bundesweite Ausschreibung hätte sich nur ein Interessent gemeldet, dessen Bewerbung aber an arbeitsrechtlichen Fragen gescheitert sei. In der zweiten Runde habe sich dann Vera Rosin gemeldet. Künftig, so die Gefahr, würden viele frei werdende Stellen vakant bleiben. Martin: „Es gibt aktuell so gut wie eine Studierenden der evangelischen Theologie und damit keinen Pastoren-Nachwuchs.“
Sorgenkind Walter-Spitta-Haus
15 Männer um Männerkreis-Sprecher Herbert Ulfers nutzten am Dienstagabend die Gelegenheit, die neue Pfarrerin kennenzulernen und einige Themen aus dem aktuellen Gemeindeleben anzusprechen. Davon gibt es genug, sie sich zeigte. Die Fusion von ehemals acht selbstständigen Gemeinde zur Kirchengemeinte Wangerland ist erst vor wenigen Monaten abgeschlossen worden.
Die Organisationsstruktur sieht nur noch zweieinhalb Stellen für Geistliche vor. Dafür gibt es im Gemeindegebiet aber zehn unter Denkmalschutz stehende Kirchen, ebenso viele Friedhöfe und Gemeindehäuser, von denen mittelfristig die meisten aufgegeben werden sollen. Auch das Walter-Spitta-Haus in Hooksiel. Männerkreis-Mitglied Dietrich Gabbey forderte Vera Rosin auf, sich mit dafür einzusetzen, dass die Kirche mit ihren Mitgliedern über die Zukunft des Gebäudes ins Gespräch kommt. Es wäre ein schwerer Verlust für Kirche und Ort, wenn dieser soziale Treffpunkt verloren ginge.
„Es gibt immer eine Lösung“
Vera Rosin ließ sich von den Problemlagen nicht schrecken. Sie vermittelte den Eindruck, für pragmatische Lösungen zu stehen. Ihr Lebensmotto, was sie von ihrem Vater, einem Bergmann, übernommen habe: „Es gibt immer eine Lösung. Und wenn etwas nicht passt, dann wird es passend gemacht.“
Das künftige Theologen-Team, zu dem noch Hanja Harke und Fredo Eilts gehören, ist jeweils für das gesamte Wangerland zuständig. Gottesdienste, Taufen, Konfirmationen, Trauungen, Beerdigungen. Ihren persönlichen Schwerpunkt sehe sie bei Trauerfeiern, sagte Vera Rosin. „Hier schlägt mein seelsorgerisches Herz.“ Sie werde sich Zeit nehmen für Gespräche, um den Angehörigen beim Trauergottesdienst die Gelegenheit zu geben, sich von den Verstorbenen zu verabschieden. Einen zweiten Schwerpunkt ihrer Arbeit im Wangerland soll die Urlauberseelsorge bilden.












